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TEXT ZU BERICHT  "Danach konnten wir uns vor Buchungen kaum retten"

RUPPERTSBERG. Ende der 60er Jahre waren die „Vampires“ aus Ludwigshafen

eine der angesagtesten „Beatbands“ der Pfalz. 1966 gewann die Gruppe um den Sänger und Gitarristen Jochen Feldmann sogar gegen rund 800Mitbewerber den „1. Deutschen Amateur-Beatwettbewerb“ in Recklinghausen. Ein halbes Jahrhundert

später feiert die Band den Erfolg von damals mit einer History-Tour, die sie unter das Motto „Starke Zeiten“ gestellt hat und die sie am Samstag auch zu einem Konzert

nach Ruppertsberg  führen wird. Wir haben mit Feldmann, dem einzig verbliebenen Originalmitglied und Motor des Quintetts, gesprochen. Herr Feldmann, wie ist es denn 1966 zur Teilnahme an dem Beatwettbewerb gekommen?

Solche Wettbewerbe, wenn auch im kleineren Rahmen, waren damals keine Seltenheit. Die Beatmusik eroberte die Welt, Bands schossen wie Pilze aus dem Boden, und Plattenfirmen

machten sich deren Potential zunutze. Eine davon war „Hansa“, damals ein sehr angesagtes Label. Das Unternehmen lobte als Hauptpreis einen Schallplattenvertrag aus und veranstaltete überall in Deutschland, auch in Ludwigshafen, Vorentscheide. Uns gab es damals ein knappes Jahr, und wir sahen die Sache als eine Chance an, uns einen guten Platz in der Szene zu verschaffen. Tatsächlich brachten wir es dann fertig, uns in der Zwischenrunde in der Friedrich-Ebert- Halle gegen 15 andere Bands durchzusetzen

und uns damit für das Finale in Recklinghausen zu qualifizieren.

Wie war es dann in der Schlussrunde? Wie haben Sie und Ihre Kollegen die Chance auf einen Sieg eingeschätzt?

Wir wussten, dass wir gut waren, und haben schon auf einen vorderen Platz gehofft. Damit, dass wir gewinnen würden, haben wir allerdings nicht gerechnet. Lediglich Gerd (Monse), unser damaliger Gitarrist, hat, als er den Siegerkranz in Recklinghausen an

der Wand hängen sah, gemeint, den nehmen wir heute Abend mit nach Hause. Heute steht das Teil daheim bei mir in Gönnheim in einer Vitrine.

 

INTERVIEW: Die Pfälzer Band „The Vampires“ erinnert mit einem Konzert in Ruppertsberg an ihren Sieg bei der 1. Deutschen Amateur-Beatmeisterschaft vor 50 Jahren

Solche Musikwettkämpfe wurden ja von vielen Zuschauern verfolgt. Wie groß war das Interesse in Recklinghausen? Und wie gingen Sie damit um, plötzlich vor einem großen Publikum aufzutreten?

Tatsächlich waren ein paar tausend  Leute in die Vestlandhalle gekommen. Das war für uns junge Kerle, die wir alle zwischen 17 und 18 Jahre alt waren, natürlich schon sehr beeindruckend. Während des Auftritts haben wir davon allerdings nicht sehr

viel mitbekommen, da wir von den Bühnenscheinwerfern geblendet waren und die Leute im Zuschauerraum gar nicht richtig wahrnehmen konnten. Außerdem waren wir viel zu sehr

auf unser Spiel und den Gesang konzentriert, um uns von irgendetwas anderem ablenken zu lassen.

Hatten Sie Fans aus der Pfalz dabei?

Nein, niemanden. Die Gruppen aus dem Ruhrpott hatten jede Menge Anhängermitgebracht,

die hatten Heimspiel. Wir dagegen, Gerd Monse, Dieter Heintz, Wolfgang Letsch, Frank

Krienke und ich, waren im geliehenen Opel Kapitän meines Vaters mutterseelenalleine

in den Norden gefahren Unterwegs hatten wir zu allem Elend noch den Auspuff verloren und waren froh, irgendwie heil und pünktlich da oben angekommen zu sein. Die Siegerband

wurde zum Glück aber nicht von den Zuhörern, sondern von einer Fachjury bestimmt. Es hat uns also keinen Nachteil gebracht, alleine vor Ort zu sein.

Mit welchem Repertoire konnten Sie dann den Sieg für sich verbuchen?

Wir mussten drei Stücke nach eigener Wahl vortragen. Einen Coversong, eine Eigenkomposition und eine eigene Interpretation einer Fremdkomposition.

Wir haben uns für „Very Last Day“ von den „Hollies“ als Cover, „It’s Enough“ als selbstgeschriebene Nummer und „Der Haarmann“ zur Melodie „Warte, warte nur ein Weilchen“, die sich textlich mit dem Serienmörder Fritz Haarmann beschäftigt,

entschieden.

 

Wie war das, als Sie gewonnen hatten. Haben Sie gleich eine Schallplatte für

„Hansa“ aufgenommen?

Nein, die ganze Sache erwies sich als weniger seriös, als geglaubt. Zwar hatten wir einen Pokal erhalten und hätten auch tatsächlich eine Aufnahme machen können. Allerdings hat

man von uns verlangt, finanziell in Vorleistung zu gehen. Das war uns aber zu heikel, und so haben wir verzichtet. Später haben wir allerdings  selbst eine Single mit unseren Gewinnertiteln „It’s Enough“ und „Der Haarmann“ in kleiner Stückzahl bei der Hochspeyerer Firma „Kerston Records“ herstellen lassen.

Hat Ihnen der Wettbewerb dann überhaupt einen Nutzen eingebracht?

Oh ja. Als wir zurückkamen, konnten wir uns vor Buchungen kaum noch retten. Wir spielten im Vorprogramm der „Who“, der „Troggs“ und so weiter. Die Band zerfiel dann vorerst allerdings, weil wir zur Bundeswehr eingezogen wurden. Nach meiner Entlassung reaktivierte ich die Gruppe dann unter dem Namen „Vampires Company“ und wurde Berufsmusiker. Mit wechselnden Besetzungen traten wir so bis Mitte der 1980er Jahre in

ganz Europa auf. Dann wurde es für Livemusiker immer schwerer, Engagements zu finden. DJs und Diskothekenwaren plötzlich gefragter als Livemusiker. Ich habe die Band daraufhin

eine Zeitlang auf Eis gelegt und nach ein paar Jahren wieder zu neuem Leben erweckt. Seither sind wir in der Besetzung mit Bassist Karlheinz Sturm, Schlagzeuger Jürgen Spooren, Gitarrist Günther Rüffel, Keyboarder Mario Siegmayer und mir selbst als

Gitarrist und Sänger unter dem ursprünglichen Namen „The Vampires“ wieder gut dabei. Wir sind körperlich nicht mehr ganz so fit, haben aber trotzdem noch genauso viel Spaß wie

früher und freuen uns, jetzt mit unserenalten und neuen Fans das Jubiläum zu feiern. | INTERVIEW: HANS KRAUS

TERMIN

„The Vampires“, eine der dienstältesten

Bands unserer Region, tritt morgen, Samstag,

um 20.30 Uhr im Ruppertsberger

„Winzer“ auf. Die Zuschauer erwarten

Live-Musik undZeitgeist der 60er und 70er

Jahre. Karten an der Abendkasse. |

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